Kipperkarten: mysteriöse Herkunft

Kipperkarten: mysteriöse Herkunft

Beim letzten Mal erwähnte ich die lederne Schatulle, in der meine Großmutter immer ihre Aufschlagkarten aufbewahrte. Diese hütete sie wie einen Schatz und achtete penibel darauf, dass nichts verlorenging. So war es mit als Kind auch streng untersagt, mich an der Schatulle zu schaffen zu machen. Dabei hätte ich so gerne die Karten genauer unter die Lupe genommen …

Ich weiß noch, dass ein Deck meiner Großmutter immer ein Lächeln auf die Lippen zauberte. „So einfach und doch so aussagekräftig“, sagte sie einmal und streichelte mit ihren faltigen Händen über den Stapel. Leider konnte auch sie meine Frage nicht beantworten, warum diese Karten so hießen. Heute weiß ich, dass eine Theorie den Namen auf den Ausdruck „Kipper und Wipper“ zurückführt. So nannte man im Dreißigjährigen Krieg Münzfälscher und Wechselbetrüger.

Ungeklärter Ursprung

Einer anderen Theorie zufolge gab es angeblich eine Berliner Kartenlegerin namens Susanne Kipper. Sie soll Ende des 19. Jahrhunderts nach München gezogen sein und dort gewirkt haben. Belege dafür gibt es allerdings nicht. Fest steht nur, dass die ersten Kipperkarten im Jahr 1890 wie aus dem Nichts beim Münchner Schreibwarenhändler Matthias Seidlein auftauchten. Seither hat sich ihr Erscheinungsbild mehrmals leicht verändert.

Ungeachtet der künstlerischen Gestaltung umfasst jedes Kipperdeck 36 durchnummerierte Karten. Diese gliedert man in Personen- und in Situationskarten. Erstere beziehen sich immer auf Menschen im Umfeld eines Fragestellers. Manche sind männlich, andere weiblich. Manche deuten auf Partner oder Freunde hin, andere auf Gegner oder Rivalen.

Personen- und Situationskarten

Die Situationskarten zeigen diverse Einflüsse auf eine Person auf. Ihre Namen sind leicht verständlich, dürfen jedoch nicht immer wörtlich genommen werden. So etwa deutet die Karte mit Namen „Reise“ nicht zwangsläufig darauf hin, dass man wegfährt. Sie kann auch auf einen Neubeginn verweisen.

Kipperkarten haben aufgrund ihrer Gestaltung und ihrer Aussage eine gewisse Ähnlichkeit sowohl mit Lenormand- als auch mit Zigeunerkarten. Alle drei Decks bestehen aus 36 Karten, deren Grundbedeutungen durchaus vergleichbar sind. Zu Verwechslungen sollte es dennoch nicht kommen. Auf Lenormandkarten befindet sich die kleine Abbildung einer Spielkarte, auf Zigeunerkarten eine Beschriftung in sechs Sprachen, auf Kipperkarten nichts dergleichen.